Filmreview: “So finster die Nacht”

Geschrieben am: 14. Juni 2009 von Erik

Manche Filme werden wohl wegen mangelnder Kompatibilität zu den Massen nie im Kino gezeigt. Andererseits gibt es Streifen auf die man getrost verzichten kann – und davon mehr als genug. Ich mache das jetzt mal am Beispiel “Twilight” fest. Ein blutleerer Vampirfilm der nichtmal stilistisch punkten kann. Aber er hatte Erfolg. Dabei bieten Vampire doch mehr als genug Inspiration um Meisterwerke wie “Nosferatu” oder “Interview mit einem Vampir” zu kreieren. Eine Quintessenz dabei ist aber auf jeden Fall auffällig: Verzicht auf seichte Klischees.

Vor kurzem stolperte ich in einer Randnotiz in der TV-Zeitschrift (!) über den Film “So finster die Nacht” welcher mir ob seines Szenenphotos (siehe Bild rechts) in die Augen fiehl. So finster die Nacht Die Pressestimmen versprachen einen sehr alternativen Vampirfilm der vor allem durch leise Töne, kunstvolle Bilder und wenige Schockeffekte überzeugen sollte. Damit wäre der Rahmen auch gut abgesteckt.

Es geht um ein 12 jährigen Jungen irgendwo in einem schwedischen Kaff an dem der wirtschaftliche Aufschwung wohl vorbeigegangen sein muß. Der wasserstoffblonde Oskar ist ruhig, fast verschlossen und wird von einigen Mitschüler grundlos drangsaliert. Hinzu kommt sein morbides Interesse an Gewaltverbrechen. Als eines Nachts ein Mädchen in seinem Alter in der Nachbarwohnung einzieht, verändert sich sein Leben. In der Nachbarschaft häufen sich Todesfälle währende sich Oskar mit der blassen Eli mehr und mehr anfreundet. Ein zarter Hauch erster Liebe, Adoleszenz aber auch Blut in einer Welt die nicht nur vom Winter kalt ist…

Das Urteil “langweilig” wird wohl dem Gelegenheitsfilmgucker schnell über die Lippen gehen, Fans von kunstvollen Filmcollagen wird dieser Film aber zusagen. Vor allem seit es Usus ist Filme so zu schneiden dass man davon Epilepsie bekommt, bin ich froh dass es eben auch noch Beispiele für die Wirksamkeit des Langsamen und der sensiblen Töne gibt. Der Horror geht dabei relativ subtil von statten. Es muß nicht immer Folterporno sein um die Nerven zu zwirbeln. Versetzt man sich in die Atmosphäre die dieser Film versprüht, wirkt das Geräusch von Blut dass aus einem geschächteten Menschen in einen Plasteeimer plätschert viel heftiger als eine Nahaufnahme der Schnittwunde. Mir persönlich hat er gefallen. Nicht zuletzt wegen des kleinen Mädchens, dass mich manchmal sehr an die finstere “Alma” aus dem Gruselshooter “F.E.A.R” erinnert.

4,5/5 Punkten

Filmplakat

Filmplakat

No related posts.

Ein Kommentar zu
“Filmreview: “So finster die Nacht””

  1. beetlesus schreibt:

    So wie ich das mitbekommen habe: schwedisches Kaff = Randbezirk von Stockholm. Der Film ist mal wieder einer dieser massenuntauglichen und hollywoodfernen Geheimtipps, die im Schatten der schimmernden Filmwelt ihr Dasein fristen. Er ist atmosphärisch und niedlich gruselig (wie der Vorbote eines kühlen Morgenwindes am Steg eines Sumpfes im Nebel) und enthält viele visuelle Metaphern. Gute simple Kameraeffekte und Schauspieler, die keiner kennt, sowas fasziniert mich. Prädikat: Absolut sehenswert.

    Man sollte sowieso das skandinavische Kino im Auge behalten. Neben Lars von Trier gibt es da sicher noch einige Leckerbissen.

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: Sie können folgende Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>