Photoausstellung von Robert Häusser zum Mauerbau

Sonntag, Juli 5th, 2009

© Robert Häusser - Berliner Mauer

© Robert Häusser - Berliner Mauer

Heute war ich erstmalig in einer Photoausstellung, die mir ein wenig Magenschmerzen bereitet hat. Nicht wegen ihrer Motive, sondern wegen ihrer Aussage. Es war eine Ausstellung von Photographien von Robert Häusser, einem sehr renomierten und internatial bekannten Photographen welcher den Mauerbau und die Zeit unmittelbar danach photographisch festgehalten hat. Von beiden Seiten. Nun beweist ein Blick in seine Biographie dass das ein für ihn sehr persönliches Thema ist. Zweifelsohne war die Berliner Mauer und die deutsch-deutsche Grenze für viele für die sie eine unmittelbare physische Barriere war, eine Katastrophe und die über 900 Toten im Zusammenhang mit “der Grenze” sollen weder verschwiegen noch vergessen werden. Aber die 34 Photographien der Ausstellungen zeigen AUSSCHLIESSLICH hart gradierte schwarz-weiß Photographien von Betonmauern, Stacheldraht und Häuserruinen. Untermalt wird das ganze mit rhetorisch markanten Onelinern aus der Geschichte des kalten Krieges wie:

Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: ‘Ich bin ein Berliner’!

(John. F. Kennedy)

Hauptsächlich wurden die Kommentare amerikanischer und bundesdeutscher Politiker genannt, bis auf zwei eher missglückte Aussprüche von Walter Ulbricht und Erich Honecker. Jedenfalls machte das alles schon einen sehr tendentiellen Eindruck. Nun bin ich selbst kein Historiker und wegen meiner DDR Sozialisation natürlich ein wenig vorbelastet was den Blick auf die Deutsche Demokratische Republik angeht. Aber ich habe gelernt mein Gehirn zu benutzen und nicht alles was mir die Medien verkaufen für bare Münze zu nehmen. Was man allerdings nicht von allen Menschen behaupten kann und soweit ich das erkennen kann, wird die Erinnerung an die DDR hauptsächlich zu einem ähnlichen Dämon wie das Dritte Reich geformt. Das findet bei schlecht informierten Menschen natürlich fruchtbaren Boden und solche historisch mager begleiteten Dokumentation tragen ihr übriges dazu bei.

Nun will ich das photographische Schaffen Robert Häussers nicht schmälern und seine Erinnerungen an die einschneidenden Ereignisse keinesfalls klein reden. Aber wenn Erinnerung an 40 Jahre DDR irgendwann nur noch aus Beton, Stacheldraht und Grenztoten besteht, dann ist das eine ebenso infame Geschichtsverklärung wie die “gute alte Zeit”. Ich selbst habe zwar nur 5 Jahre aktiv miterlebt, aber die Erinnerung daran ist alles andere schlecht. Und ich bin mir sicher, da bin ich nicht der Einzige. Egal für welche Meinung man sich letztenendes entscheidet, man sollte alle Seiten kennen. Und das ist zunehmend nicht mehr der Fall. Die Einträge im Gästebuch der Ausstellung belegen das. Vor allem sollte man aus der Vergangenheit lernen. Im Zuge der fortschreitenden Beschneidung von Privatsphäre und wachsenden Bestrebungen von Generalverdächtigungen, machen die inflationäre Benutzung des Freiheitsbegriffes und die Dämonisierung von Stasi und SED zu einer Farce. Auch die gleichzeitige Anbiderung an ein Land welches mit dem einzigen Einsatz von Nuklearwaffen und zahlreichen nutzlosen und illegitimen Kriegen um einiges mehr als 950 Tote produziert hat.

Okay, das driftet jetzt zu sehr in ein Essay über meine allgemeine Unzufriedenheit mit der Geschichtswahrnehmung der Menschheit ab, eigentlich gings ja um die Ausstellung. Sei’s drum, die Wirkung der Bilder ist trotz ihres in diesem Kontext eher zweifelhaften Zweckes unverkennbar. Wer sein Gehirn benutzen kann, wird die Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim nicht gänzlich unreflektiert betrachten.

Derzeitig sind auf der selben Etage aber noch ein paar andere kleine Photoausstellungen im “Forum internationale Photographie”, welche mich dann doch ein wenig beschwichtigt haben. Bilder aus den Anfängen der Photographie aus Japan und China sowie eine Sammlung Reisereportagenbilder von Größen wie Henri Cartier-Bresson und Thomas Höpker.

Ausstellung: Thomas Hoepker

Samstag, Dezember 13th, 2008

© Thomas Hoepker

© Thomas Hoepker

Auch auf die Gefahr hin hier eine imense Bildungslücke zu offenbaren muß ich erzählen wie es dazu kam dass ich in die Photoausstellung von Thomas Hoepker gegangen bin. Als ich vor 2 Wochen über den Erfurter Domplatz spaziert bin, erblickte ich eine Litfaßsäule mit einem Plakat wo mit einem Teilportrait eines japanischen Mädchens das weiß geschminkt mit einem großen roten Punkt auf der Stirn die Nationalflagge Japans verkörperte, für die Photoausstellung eines gewissen Thomas Hoepker geworben wurde. Das Bild war äußerst ausdrucksstark und ich angefüttert. Heute habe ich es dann endlich geschafft in die Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt zu gehen. Schon ein weiteres Beispielbild vor der Kunsthalle, auf dem Muhammed Ali portraitiert war, ließ mich ahnen dass es sich um einen Photographen handelt der in der Photographiegeschichte wohl schon einige Spuren hinterlassen hat. Und so war es dann auch. Ein formidables Oeuvre quer durch die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Portraits von Künstlern, Dokumentationen von Landschaften, Menschen aber auch gesellschaftlichen Missständen auf der ganzen Welt. Der Versuch einer detaillierten Beschreibung würde wohl an meinem mangelnden Wissen über ihn scheitern aber mein Eindruck war dass Thomas Hoepke sein Handwerk nicht nur technisch sehr gut beherrscht, was wohl ohnehin ein notwendiges Kriterium für Photographen ist, sondern auch ein imenses Gespür für den Augenblick und für Ausschnitte hat. Vor allem eine großformatige Photographie aus einem von Pocken und Hungersnot geplagten Dorf in Äthiopien hat mich über die Maßen fasziniert. Es scheint als würde man selbst durch den Sucher der Kamera erblicken wie eine Gruppen von verzweifelten Menschen um Essen bettelt. Trotzdem ist der Respekt vor den Menschen erhalten. Er praktiziert also keinen photographischen Elendstourismus.
Aber auch die Bilder die er von Personen der Zeitgeschichte, wie Willy Brandt, Andy Warhol oder eben Muhammed Ali, gemacht hat, haben alle das gewisse etwas. Ich könnte jetzt jede einzelne Kategorie erläutern, das würde aber dem Zweck dieses Beitrages widersprechen das Interesse an dieser tollen Ausstellung und einem noch viel besseren Photographen zu wecken den ich zu meiner Schande erst heute kennen gelernt habe.

Wer schon gefallen an Henri Cartier Bresson gefunden hat, wird auch bei Thomas Hoepker, der übrigens erste deutsches Vollmitglied der Photoagentur Magnum und zeitweise auch ihr Präsident war, fündig.

Noch bis zum 1. Februar 2009 in der Kunsthalle “zum roten Ochsen” am Fischmarkt zu Erfurt.