300

Mittwoch, Mai 2nd, 2007

300

Manchmal frage ich mich, was in einem Gehirn wie dem von Frank Miller vorgeht. Schon in seiner Comic Reihe “Sin City”, deren geniale Verfilmung ein kleines Stückchen Filmgeschichte geschrieben hat, zeigt Frank Miller ganz deutlich was er vom Leben hält. Seine Figuren sind brutale Hartärsche die ihr Ding in einer trostlosen Welt durchziehen und dabei nicht gerade tanzend mit Blumen um sich werfen. Auf jeden Fall lieferte diese Welt den Stoff und nicht zuletzt den Stil für eine neue Art von Film.
Eigentlich war zu erwarten dass da noch mehr drauszumachen ist, und so wurde eine Adaption des Miller Comics “300″ gedreht. Worum es geht ist schnell gesagt:

490 vor unserer Zeitrechnung wird das Antike Griechenland von den Armeen Persiens bedroht. Insbesondere Leonidas, dem König Spartas passt das überhaupt nicht, denn das stolze Kriegervölkchen ist nicht sehr erpicht darauf in Sklaverei zu leben. Und so macht er sich gegen die Prophenzeihung des Orakels mit 300 seiner besten Krieger auf, um die Übermacht der Armeen von Xerxes, dem Persischen König und selbstproklamierten Gott in den Allerwertesten zu treten.

Der Plot klingt zwar sehr nach Sandalenfilm, aber 300 ist ein brutaler Actionknaller im pseudoantiken Gewand. Von griechischer Kultur bekommt man bis auf ein paar Säulen und den Kostümen so gut wie gar nichts mit. Den einzigen Eindruck den man durch den Film von dieser Zeit bekommt, ist dass Griechenland von einer riesigen Horde Mutanten, angeführt von einem sadomasochistischen Piercingfreak, bedroht wurde. Stereotyper könnten die Figuren gar nicht sein. Die tapferen Spartaner sahen aus als wären sie aus einem Sportpropagandafilm von 1933 entlaufen. Und die Persier aus Tschernobyl. Wer nun eigentlich gut und wer böse ist, läßt sich nicht zweifelsfrei erkennen, denn beide Parteien trachten einander mit einem höchstmaß an Brutalität nach dem Leben, was in ausgedehnten Slowmotion Sequenzen auch sehr detailliert dargestellt wird. Eindeutig nichts für Fans von lauwarmer Milch. Nach 1.5 Stunden klirrendem Stahl, umherfliegenden Körperteilen und weiß-der-Geier wievielen Toten (hauptsächlich Perser), steht Leonidas mit seinem inzwischen doch kleiner gewordenen Gefolge, entgültig einer unbesiegbaren Armee gegenüber.

Erzählt wird die Geschichte von seinem Hauptmann, der während einer Schlacht ein Auge verlor und somit nicht mehr kämpfen sollte und stattdessen nach hause geschickt wurde um zu berichten und den Senat dazu zu bewegen mit einer größeren Streitmacht in den Krieg zu ziehen um dem barabrischen Feind die Fäuste zu zeigen. Alles in allem ist die Mär vom blutigen Heldentod Leonidas’ und seiner 300 tapferen Kameraden nur ein Symbol für den unerschrockenen Kampfgeist den Krieger haben sollte.

Fazit:

Man kann nicht wirklich sagen 300 sei schlecht. Dafür ist er technisch einfach zu gut und die Schlachtenkoreographien wurden schnörkellos gefilmt. Aber es fehlt einfach die Abwechslung. Nach einer halben Stunde mit Variationen von Durchbohren, Abhacken, etc. hat man nur noch den bitteren Geschmack von übertriebenem Heldenpathos und einer leicht faschistoiden Botschaft auf der Zunge. Ich persönlich bin etwas enttäuscht und freue mich lieber auf die Fortsetzung von “Sin City”.

Crew:

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon
Produktion: Frank Miller, Mark Canton, Bernie Goldman, Jeffrey Silver, Gianni Nunnari
Musik: Tyler Bates
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy

Schauspieler:

* Gerard Butler: König Leonidas
* Lena Headey: Königin Gorgo
* Vincent Regan: Leonidas’ Hauptmann
* David Wenham: Dilios
* Michael Fassbender: Stelios
* Rodrigo Santoro: Xerxes
* Tom Wisdom: Astinos
* Andrew Tiernan: Ephialtes
* Dominic West: Theron
* Andrew Pleavin: Daxos